Aufheizen - wieso so kompliziert?

  • Hallo zusammen,


    vorweg: Ich bin absoluter Anfänger (habe meinen Drucker seit zwei Wochen), habe aber schon vieles dazu geschaut (YouTube) und kenne von daher ein paar Begriffe... aber geht mal lieber davon aus, dass ich von vielem, was für Euch selbstverständlich ist, noch nie gehört habe. (Vielleicht stelle ich demnächst noch mehr "dumme Fragen")


    Mir fiel auf, dass Cura beim Start von Druck-Jobs scheinbar immer erst das Druckbett aufheizt, danach (!) den Kopf. Warum nicht gleichzeitig? Und: Ist das womöglich Einstellungs-Sache??


    Hintergrund-Infos (fragt' mich, wenn ich etwas wichtiges auslasse...): Ich verwende Cura 5.1.0, mein Druck-Profil ist vom "Creality Ender-3" abgeleitet (ich habe einen Ender-3 S1).

    Cura erzeugt so etwa folgende Befehlsfolge:

    Code
    M140 S60    ; 1: Bett auf 60° aufheizen
    M105        ; Statusbericht
    M190 S60    ; 2: Abwarten, bis Bett 60° erreicht hat
    M104 S200   ; 3: Düse auf 200° aufheizen
    M105        ; Statusbericht
    M109 S200   ; 4: Abwarten, bis Düse 200° erreicht hat

    Und ich hätte gedacht, "umgedreht" (1,3,2,4 o.ä.) spart mir ein paar Sekunden und weiter nix. Aber irgendeinen Grund wird's ja wohl haben, oder?


    Ich habe auch mal spaßeshalber den G-Code umsortiert und mir ist beim Ergebnis nichts aufgefallen.

    (Dass ich im G-Code herumfuhrwerke, liegt daran, dass ich Hobby-mäßig programmiere ... und zufällig über eine Referenz zum G-Code gestolpert bin - das hat also auch nix mit 3D-Druck-Wissen zu tun)


    Grüße


    Arnold

    Grüße


    Arnold


    Druck-Anfänger mit Ender 3 S1.

    PS: Bitte nicht die Illusion (zer)stören, dass 3D-Druck einfach nur Spaß macht :whistling:

  • Wenn die Düse zu lange vor dem Druck heiß ist fließt Filament aus der Düse und das fehlt dann zu Druckbeginn bzw. hängt an der Düse und macht Probleme weil es irgendwo abfällt.

    Ausserdem ist der Sensor im Bett auf der Unterseite, wenn nach dem Bett die Düse heizt ist die Temperatur auch wirklich oben im Druckbett angekommen.

  • Wenn die Düse zu lange vor dem Druck heiß ist fließt Filament aus der Düse und das fehlt dann zu Druckbeginn bzw. hängt an der Düse und macht Probleme weil es irgendwo abfällt.

    Klingt zwar plausibel, aber: Zuerst wird doch immer links am Rand ein Streifen gedruckt - reicht der nicht, um diesen Fehler "aufzuholen" ?

    Na ja; vermutlich gibt's auch kompliziertere Druck-Szenarien, wo dieser Streifen entfällt...

    Bei meinem Drucker gilt das Argument auch gar nicht (die Düse braucht länger als das Bett, wenn ich also beides gleichzeitig los-heize, ändert sich für die Düse quasi nix), aber das jetzt pro Druckermodell und Temperatur-Kombination (und dann noch abhängig von den Start-Temperaturen ... "um 30° aufheizen" dauert ja auch nicht einfach x Sekunden) einzustellen, wäre wohl hoffnungslos übertrieben.

    Fazit: Am Ende bleibt es wohl eine Glaubensfrage, ob man deshalb so oder so heizen will... es sei denn, man hat viel Langeweile und will das für viele Parameter (Drucker, Start- und Ziel-Temperaturen, Art des Druckbetts ...) festlegen.

    Ausserdem ist der Sensor im Bett auf der Unterseite, wenn nach dem Bett die Düse heizt ist die Temperatur auch wirklich oben im Druckbett angekommen.

    OK; wie sich das zeitlich verhält, da habe ich keine Ahnung. Aber wahrscheinlich ist das sowieso nichts Exaktes, sondern eher nach dem Motto: Nutzt sicher mehr als dass es schaden würde. Und alles genauere ... da müßte man dann wohl pro Druckermodell messen, wie lange es dauert...


    Vielen Dank auf jeden Fall - ich habe wieder einiges gelernt ;)

    Grüße


    Arnold


    Druck-Anfänger mit Ender 3 S1.

    PS: Bitte nicht die Illusion (zer)stören, dass 3D-Druck einfach nur Spaß macht :whistling:

  • da müßte man dann wohl pro Druckermodell messen, wie lange es dauert...

    Ab 60 Grad wird es für die Hand echt unangenehm. Lass dein Bett mal auf 60 Grad heizen und leg die Hand drauf. Der Unterschied zwischen "Drucker zeigt 60 Grad an" und "ich zieh mal lieber die Hand weg" ist bei meinem nicht zu unterschätzen.... 😁


    Hat dein Drucker ein 230V Heizbett? Wenn nicht, dann brauchst es vermutlich spätestens wenn du mal PETG druckst (ca. 80 Grad) länger das Bett als die Düse zu heizen.

    Ich hab auch schon gelesen das Leute gleichzeitig heizen dafür aber die Betttemperatur für die erste Schicht 5 Grad höher stellen. Ich denke solange es funktioniert gibt es kein richtig oder falsch....

  • Die Reihenfolge "Bett - Druckkopf" macht schon Sinn. Zum Einen dauert es, bis das Bett einigermaßen gleichmäßig durchgeheizt ist, zum Anderen wird das Filament bei längerem Verbleib im heißen Schmelzbereich nicht besser.


    Wegen der Wärmeausdehnung des Betts bzw. des Bettträgers dient eine gleichmäßige Vorheizung auch dem Erreichen des korrekten Abstands zwischen Bett und Düse.

  • Klingt zwar plausibel, aber: Zuerst wird doch immer links am Rand ein Streifen gedruckt - reicht der nicht, um diesen Fehler "aufzuholen" ?

    Dass eine Purge Line gedruckt wird, ist keine Standardeinstellung, sondern eine höchst individuelle Sache.


    Ich lasse z.B. grundsätzlich keine Purge Line drucken, hab dafür aber meist Brim an. Nur bei grösseren Objekten verzichte ich auf Brim, dann wird aber wenigstens ein Skirt legen lassen.

    Gruss Alex


    Mein Drucker ist ein Anycubic Mega X, mein Slicer ist Ultimaker Cura und mit Tinkercad erstelle ich meine Konstruktionen. Gedruckt wird inzwischen über einen Raspi 4, auf dem Octoprint läuft.

  • Ab 60 Grad wird es für die Hand echt unangenehm. Lass dein Bett mal auf 60 Grad heizen und leg die Hand drauf. Der Unterschied zwischen "Drucker zeigt 60 Grad an" und "ich zieh mal lieber die Hand weg" ist bei meinem nicht zu unterschätzen.... 😁

    Interessant... ich habe ohnehin den Verdacht, dass mein Drucker da "lügt" - 60° finde ich nicht mal unangenehm (auch nicht am Ende eines mehrstündigen Drucks); das kann ja eigentlich nicht stimmen. Aber solange die Haftung passt, soll's mir recht sein. (Abgesehen davon: Mir ist bewußt, dass man als Mensch nicht eigentlich "Temperatur" wahrnimmt - und ich habe keine Ahnung, was für's komisches Zeug da auf meinem Druckbett pappt). Unangenehm wird's eher ab 70°. (Ich habe leider kein Thermometer für sowas...)

    Wobei: Die Unterseite des Druckbetts sieht zumindest nach blankem Metall aus, fühlt sich auch erheblich wärmer an - und trotzdem habe ich kein Problem damit, direkt nach einem Druck durch Biegen das Ergebnis abzulösen. Da berühre ich diese "heiße Seite" zwar nicht absichtlich, es kommt aber schon vor, und mehr als "unangenehm" war das auch nie...

    Hat dein Drucker ein 230V Heizbett? Wenn nicht, dann brauchst es vermutlich spätestens wenn du mal PETG druckst (ca. 80 Grad) länger das Bett als die Düse zu heizen.

    Da bin ich dann überfragt. Ein Ender 3 S1. Ich wüßte jetzt nicht, wo ich das nachlesen kann (aber irgendwer "hier" wird's schon wissen).

    Spekulation: Nein, hat's nicht. Weil: Das Kabel zum Druckbett ist (etwas) dicker als das Kaltgeräte-Kabel - da würde ich raten: Mehr Ampere, also wohl weniger Volt.
    Ich habe zwar schonmal ABS erfolgreich gedruckt - mit (angeblich) 100°, nur wie lange das gebraucht hat, weiß ich nicht mehr.

    Grüße


    Arnold


    Druck-Anfänger mit Ender 3 S1.

    PS: Bitte nicht die Illusion (zer)stören, dass 3D-Druck einfach nur Spaß macht :whistling:

  • Das hat wohl auch mit der Last im Netzteil zu tun. Beide gleichzeitig könnte bei den eher unterdimensionierten Netzteilen für Probleme sorgen und Dein NT schrotten!

    Mit einem dafür geeignetem NT sollte das parallele Aufheizen nicht das Thema sein. Aber wie du hier lesen kannst, hat alles irgendwie einen Sinn.

    Viel Spaß mit dem Drucker....

    Grüße


    Detlef

    Grüße aus NRW

    Detlef



    Qidi I-mate-S, Ender 3, Prusa Mini+, Bambu P1P (also die Proletenausführung! 8o )

  • Moin,


    das erst das Bett und danach der Druckkopf aufgeheizt wird hat sich irgendwie irgendwann mal eingebürgert. Einer der dazugehörigen Gedankengänge war sicherlich auch, dass die aufgeheizte Düse zu beginn bei nicht definierter Position tropfen könnte, wobei ich das Argument von Michael (nicht zu lange ungenutztes aufgeheiztes Filament in der Düse verbleiben zu lassen) auch nicht ganz uninteressant finde.

    Zusätzlich wird das Druckbett aber sicher noch nicht vollständig durchgeheizt sein, wenn man alles schnell aufheizt und man mit dem Druck dann direkt nach erreichen der Druckbetttemperatur loslegt. Evtl. hat sich auch hierfür irgendwann die "Gedenkminute" bewährt und man ist bei der Aufheizroutine einfach dabei geblieben...

    Da Du ja Programmier-/Scriptkentnisse hast (ich hoffe, dass dieses Verhalten in der aktuellen Cura-Version immer noch so ist, ich benutze es schon lange nicht mehr):

    Der Prozess des Aufheizens wird "eigentlich" direkt von Cura erstellt und vor Deinen Start-GCode positioniert. Wenn Cura aber im Startcode Befehle fürs Aufheizen findet, tut es genau das nicht mehr. Das bedeutet, Du kannst Dir Deinen Aufheizroutine selber bauen...

    Ich für meinen Teil, lasse erst das Heizbett aufheizen (damit ich ein "ausgedehntes" Bett fürs Homing (via. Sensor) habe, Home den Drucker, fahre den Druckkopf in die Ecke und bringe dann alles auf Temperatur...


    Damit Du in Deinen Startcode nicht dauernd anpassen musst, kann man in Cura Variablen verwenden, die dann den Wert aus dem aktuell verwendeten Druckprofil verwenden. Diese sind je nach Slicer andern, kann man hier also nur für CURA verwenden:

    • {material_print_temperature_layer_0}
    • {material_bed_temperature_layer_0}

    Wenn Du Dir in deinen Startcode also zu beginn folgenden GCode einfügst, dann wird als erstes beides gleichzeitig aufgeheizt...


    M104 S{material_print_temperature_layer_0} ; heat up Nozzle

    M190 S{material_bed_temperature_layer_0} ; wait for bed temp

    M109 S{material_print_temperature_layer_0} ; wait for extruder temp


    Das mit der vermeintlichen Ungenauigkeit der angezeigten Temperaturen finde ich gar nicht so schlimm. Man ermittelt sich doch den eigenen Wert, an dem das Objekt auf dem Druckbett liegen bleibt und das Material ordentlich verdruckt wird. Und ob ich da nun eine Temperatur von 60° stehen habe oder von 65° oder statt 210° für den Druckkopf dann 215° ermittle ist mir relativ wurscht...

    Man sollte es halt nur insofern wissen, dass man irgendwo ergoogelte Temperaturwerte zu einem bestimmten Filament eher nur als Ansatzpunkt für den eigenen Temptower und nicht als garantiert passende Werte für den eigenen Druck verwenden kann. Auch ist die letztendliche Temperatur "auf" dem Bett oder am Ende der Düse auch sicher von weiteren Faktoren abhängig, als nur von der Genauigkeit des Temperaturtabelle des verwendeten Sensors. (Druckbett ist gedämmt oder ungedämmt, Bauteillüftung pustet auf die Düse oder drunter, Coldendlüftung pustet auf den Heizblock oder nur den Kühler, Drucker steht zugfrei oder gar im Schrank, ...)


    viele Grüße,

    Oliver

    Der Große in der Garage: X5SA Pro, Druckhöhe auf 240mm reduziert, gefrästes 6mm Druckbett, Z-Spindeln gekoppelt, ABL-Sensor entfernt, MS-Allmetall mit Orbiter 1.5 als DirektDrive, Lüfter Eigenbau, Marlin 2.0.8, OctoPi (RasPi4/2GB), Eingehaust: Eigenbauschrank mit Infrarotheizung.

    Der Kleine im Büro: Ender5, SKR1.3, TMC2209, MS-AllMetall DirectDrive, induktives ABL, Satsana-Lüfterumbau, Marlin 2.0.9, OctoPi (RasPiZeroW2), Eingehaust: Ikea Method mit Umluftfilter

    Edited 2 times, last by JoeBar ().

  • Erstmal willkommen im Forum und FF mit dem Ender!


    Stephan hat meinen Beitrag im Blog ja schon verlinkt. Da hab ich das Thema zumindest kurz mit angesprochen. Die Einstellungen im Cura sind im Bezug auf das Heizen sehr allgemein und konservativ gehalten. Du machst mit der Grundeinstellung zunächst mal nichts fasch. In 90% der Fälle heizt das Hotend schneller als das Druckbett. Würden nun beide gleichzeitig beginnen, wartet die aufgeheizte Düse auf das Druckbett und Filamentreste tropfen raus und verschmoren an der Düse. Das ist unschön. Oft ist auf dem Heizbett auch eine Glasscheibe oder Ultrabase. Der Thermosensor mißt aber nicht auf der Oberseite sondern nahe der Heizung. Wird dort 60°C gemessen, ist auf der Oberseite oft die gewünschte Temperatur noch nicht erreicht. Dann ist es durchaus erwünscht, daß diese zusätzliche Wartezeit vom heizen des Hotends noch hinzu kommt. Ich selber mach es nochmals etwas anders. Ich heize die Düse nicht gleich auf die Drucktemperatur auf. Erst wenn das Heizbett die gewünschte Temperatur erreicht hat heize ich das Hotend komplett hoch. Spart aber nicht viel Zeit.

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