Kywoo Tycoon, habe ich Schrott gekauft?

  • Zunächst zu meiner Person: Ich wohne ganz im Südwesten, bin schon etwas gealtert und mache 3D-Drucke seit etwa einem Jahr. Mein bisheriges Gerät ist ein einfacher Anycubic Mega i3, der aber für einige Anwendungen ein gerade etwas zu kleines Bett hat.

    Noch eine Anmerkung: Die Schönheit der Drucke interessiert mich nicht sehr, ich mache überwiegend Teile, die bei meinen Hobbies nutzen kann.


    Vergangene Woche habe ich mir aufgrund guter bis überschwänglicher Kritiken ein gebrauchtes Kywoo Tycoon gekauft welches gestern angekommen ist. Der Zustand ist sehr gut, ich habe das Gerät für neu gehalten, war auch originalverpackt. Firmware 2.1.3.


    Das Problem ging los, als ich den Drucker einrichten und einen Probedruck machen wollte: Filament PEG, Düsentemperatur 200°C, kaum Materialfluss. Ok, die Düse hat verraten, dass das Gerät doch benutzt war. War kräftig verformt und fast zu.


    Also die beiliegende Ersatzdüse eingebaut, aber das Ergebnis ist kaum besser. Bei 200°C kommt nur ein trauriges dünnes Fädchen, bei 220°C kommt dann ordentlich Material, aber völlig unregelmässig. Die einzelnen Drucklinien haben Abstand zu einander, manche fehlen ganz. Selbst nach 4 Lagen mit 0,2mm kann man teilweise noch furch den Druck hindurchsehen.


    Hat jemand eine hilfreiche Idee?


    Vielen Dank schon vorab.

  • Fritz

    Approved the thread.
  • Also wenn "PEG" "PETG" ist, dann sind 200 Grad deutlich zu wenig, 220 liegen im unteren Bereich, je nach dem welches PETG und die schnell geht da auch gerne mal 240 und mehr.

    Und zeig mal ein Bild von deinen Druckversuchen, das hilft meist auch zur Fehler Eingrenzung.

  • Dein "Problem" ist vermutlich vor allem, dass du als kompletter Anfänger ein gebrauchtes Gerät gekauft hast.. du hast keinerlei Ahnung, was der Vorbesitzer in der Mechanik schon rumgepfuscht und evtl. beschädigt hat.

    Ich würde erstmal mit PLA ein paar Drucke probieren, PETG hat einige Eigenheiten.

  • Wenn auch mit neuer Düse das Druckbild schlecht ist und das Filament nicht sauber und regelmäßig extrudiert wird ist stimmt einiges nicht. PETG hat eine Drucktemperatur von 220-260. Druck mal einen kleinen Würfel 20x20x20 reicht und stelle im Slicer auf groß möglichste Schichthöhe ein und die max. Geschwindigkeit, so das der Extruder ordentlich was zum durch die Düse zu befördern hat. Kommt nun das Filament gleichmäßig aus der Düse und der Würfel sieht gut aus, war deine Temperatur zu gering. (Aus welchen Material ist die Düse? Messing, Edelstahl, gehärteter Stahl, Kupfer oder Messing vernickelt oder eloxiert oder, oder oder? Bei Edelstahl und Stahldüsen braucht es etwas mehr an Temperatur um die schlechtere Wärmeleitfähigkeit (im Vergleich zu Messing/Kupfer) zu kompensieren.
    Haut das dann immer noch nicht hin, stimmen einige andere Einstellungen nicht und du wirst nicht umhin kommen den Extruder zu kalibrieren und andere Werte im Slicer zu überprüfen (insofern kein Defekt am Extruder vorliegt vorliegt) Hast du schon einen Druck mit PLA probiert? Ist dann das Verhalten genauso?

  • Entschuldigung, bin heute etwas neben der Spur.

    Ich meinte PLA!

    Noch mal, ganz blutiger Anfänger bin ich nicht, und als Ingenieur und Werkstoffkundler mit einem etwas höheren akademischen Grad kann ich beurteilen, ob so ein Gerät misshandelt wurde.

    Die Glasplatte ist völlig frei von irgendwelchen Gebrauchsspuren, ebenso alle mechanischen Teile, Gehäuse etc. Nur die Düse hat die erwähnten Spuren. Aber wie gesagt, das Problem hat sich mit neuer Düse auch nur wenig gebessert.

    Ich vermute ein Problem in der Filamentführung, habe da gerade alles auseinandergebaut und schau mir das Zeug nach Fluchtungsfehlern an.

  • Naja, Düsen haben schnell irgendwelche "Spuren".

    Der genannte Drucker scheint generell einen Direkt-Extruder zu haben, keine Ahnung, welche "Fluchtungsfehler" da auftreten sollten.


    Generell sollte man da mal die Temperatur hochdrehen und übers Menü mal ne schöne Menge extrudieren, ggf. auch mit einem Probedruck.

    Kann ja sein, dass der Vorbesitzer da PETG oder sonst was exotisches mit weit höherer Schmelztemperatur verarbeitet hat!

    Ein so genannter Cold-Pull (Google) schadet da auch nicht.

  • Hallo Bastler10 :) ,


    ich hab mich jetzt extra mal angemeldet weil ich den Kywoo Tycoon auch habe und der druckt bei mir "out of the box" ganz hervorragend. Momentan ca. 10 Jahre altes PLA ohne Problem.
    Drucktemperatur ist 200° und Betttemperatur 60°.


    Viel Erfolg noch und hoffentlich auch bald "gute" Drucke ;)

  • Der Kywoo Tycoon ist kein schlechtes Gerät. Ich habe einen hier und er war zu seinen Testzeiten ordentlich und ist auch jetzt noch ordentlich. Zwar etwas in die Jahre gekommen, aber mechanisch fast unkaputtbar.


    Ich weiß nicht, ob ich ihn überschwänglich gut getestet habe, aber zu der Zeit hatte er viele Eigenschaften, die nicht selbstverständlich waren.


    Kywoo3D Tycoon FDM Printer
    Dieser Bericht ist schon lange überfällig. Nun habe ich es endlich geschafft den Tycoon von Kywoo3D auf Herz und Nieren zu testen. Was der Drucker leistet, was…
    drucktipps3d.de


    Er hat ein eigenwilliges Hotend, welches mit seinem Kühlkörper und der Feederplatte eine Einheit bildet.

    Düsentausch ist da zunächst mal alles, was man machen kann. Ich glaube, ich habe hier noch die AllMetall Variante. Möglicherweise ist die bei Deinem Exemplar auch nachträglich verbaut. Da braucht es dann leider etwas mehr Temperatur für PLA. Das war früher immer mal ein Thema bei den MicroSwiss AllMetall Hotends, die offiziell nicht für PLA geeignet waren. Ich habe damit allerdings nie Probleme gehabt.

    Nimm einfach mal pauschal 210°C für PLA.


    Da das kein HighSpeed Drucker ist und man heuer PLA oft nur noch als Meta oder Hyper oder was auch immer für Varianten bekommt, die Geschwindigkeiten bis 400mm/s trotzen, wäre interessant, ob Du eventuell so eins nutzt. Das wäre dann auch rein von der Temeperatur in Verbindung mit der „langsamen“ Druckgeschwindigkeit kontraproduktiv.


    Das Hotend hat auch in der AllMetall Variante nen PTFE Tube. Korrekte Montage ist da ebenfalls das A und O.


    Wenn es spezielle Fragen zum Tycoon gibt, hau einfach raus. Vieles steht auch in meinem Blog Eintrag. Insbesondere zum richtigen Leveln.

    Wenn jeder jedem was klaut, kommt keinem was weg!

  • Nur zur Info, den Fehler habe ich in der Zwischenzeit gefunden: Eindeutig ein Montagefehler im Hotend (das ist freundlich ausgedrückt, es ist ein Konstruktionsfehler). In der Automobilindustrie hätte man das in der FMEA gefunden. Der Fehler wird in der Endmontage vermutlich sehr selten vorkommen, aber irgendwann kommt er. Das war vermutlich der Grund, warum der Vorbesitzer ihn nicht weiter verwendet hat.

  • Würdest Du auch sagen, was für ein Montagefehler? Das Hotend ist im Grunde ein Standard MK10 wie es jeder Ender 3 auf der ganzen Welt verwendet.

    Ein Konstruktionsfehler hört sich da etwas arg böse an.

    Ich weiß auch, dass die China Klone der gängigen Hotends nicht die beste Fertigung erfahren, manchmal nen Grad haben wo keiner sein darf und auch oft billige Materialien verwenden.


    Ich konnte dem Tycoon ein solches aber nicht andichten und auch die AllMetall Variante (bestehend aus Düse, Heizblock, Tube und Heatbreak) als Austauschteil war ordentlich verarbeitet.

    Wenn jeder jedem was klaut, kommt keinem was weg!

  • Würdest Du auch sagen, was für ein Montagefehler? Das Hotend ist im Grunde ein Standard MK10 wie es jeder Ender 3 auf der ganzen Welt verwendet.

    Ich weiss, dass das ein Standardelement ist. Man kann aber trotzdem Montagefehler machen. Aufgefallen ist mir das Problem, nachdem ich das Hotend aus dem Extruder entfernt hatte (mit Düse). Die Düse war fest gegen den Alublock geschraubt, das gegenüberliegende Führungselement mit der PTFE-Führung war aber lose, ich konnte es ohne jede Kraftanwendung aus seiner Position schrauben. Das heisst, dass zwischen Oberkante Düse und Unterkante Führungselement ein undefinierter Raum mit grösserem Durchmesser sich befand. Solche Hohlräume sorgen m.E. für ungleichmässigen Fluss des Filaments, da der Hohlraum immer wieder gefüllt wird und sich darin befindliches Filament etwas abkühlen kann und so die Bewegung des zugeführten Filaments hemmt.

    Ähnliche Probleme sind auch beim Extrudieren von Metallen bekannt, ebenso bei der Förderung von hochgefüllten Schlickern in Rohrleitungen, wo Rohrverbindungen so gestaltet werden müssen, dass im Anschlussbereich sich keine Räume mit grösseren Durchmessern befinden.


    Ich habe das jetzt so eingestellt, dass ich das Führungselement etwa 1,5mm tiefer eingeschraubt habe (bei ausgeschraubter Düse), und die Düse dann gegen das Führungselement als Anschlag geschraubt habe (der Satz gefällt mir nicht). Heisst, die Düse liegt jetzt nicht mehr direkt am Heizblock an sondern fest am Führungselement, quasi wie eine Konterschraube.

  • Ich habe mal Deinen Text aus dem Zitat kopiert und darunter eingefügt. So liest es sich besser. 😉


    Danke auch für die Antwort.

    Aber dann ist es lediglich ein Montagefehler und kein Konstruktionsfehler. Darauf wollte ich hinaus.


    Was passiert, wenn Düse und Heatbreak nicht bündig gegeneinander fest verschraubt sind, ist klar.

    Wenn jeder jedem was klaut, kommt keinem was weg!

  • Danke auch für die Antwort.

    Aber dann ist es lediglich ein Montagefehler und kein Konstruktionsfehler. Darauf wollte ich hinaus.

    Doch, wenn man das so montieren kann, dann ist das ein Konstruktionsfehler.


    Ich arbeite u.A. auch für die Automobilindustrie. Da ist ganz klar, dass all Teile so konstruiert werden müssen, dass sie in keinem Fall falsch montiert werden können (Poka Yoke)

  • Doch, wenn man das so montieren kann, dann ist das ein Konstruktionsfehler.


    Ich arbeite u.A. auch für die Automobilindustrie. Da ist ganz klar, dass all Teile so konstruiert werden müssen, dass sie in keinem Fall falsch montiert werden können (Poka Yoke)

    Ist aber bei den Standardhotends üblich, dass man Düse und Heatbreak kontern muss und es da keine Fangnetze gibt. Da hilft dir auch eine FMEA nicht. In diesem Fall würde man das da über den Prozess lösen (korrekt montieren statt technische Lösung).

  • Doch, wenn man das so montieren kann, dann ist das ein Konstruktionsfehler.

    Nein. Sorry, ist es nicht. Das ist ein Montagefehler an einem Konstrukt, der gar nicht anders aufgebaut sein kann. Wie willst Du sonst gewährleisten, dass die Düse nicht bündig mit dem Heizblock abschließen kann und gleichzeitig die Möglichkeit schaffen, das Heatbreak von der anderen Seite gegen die Düse schrauben zu können, damit es dicht abschließt.


    Wer Hotends montieren kann, der weiß wie er es zu machen hat. Wer bündig ne Düse einschraubt hat schlicht keine Ahnung.


    Und was Dein Vergleich mit der Automobilindustrie angeht….naja. Ich habe schon Getriebe falsch montiert gesehen, Bremsen, Bremsscheiben und andere lustige Dinge bei denen man von Glück reden kann, dass der Fahrer es aus der Werkstatt in der es so montiert wurde, in eine andere Werkstatt geschafft hat, in der man wusste wie man es montiert.


    Wenn man es nicht falsch montieren kann in der Automobilindustrie, dann haben die Konstrukteure wohl weniger bis gar keine Kenntnis und Ahnung über die Montagekreativität von Werkstattmeistern. 😂

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  • Wenn das so ist, dann bestehen 99% aller Consumerdrucker aus Konstruktionsfehlern. :D

    Falsch, >90% aller Consumerprodukte bestehen aus Konstruktionsfehlern.

    Ist aber bei den Standardhotends üblich, dass man Düse und Heatbreak kontern muss und es da keine Fangnetze gibt. Da hilft dir auch eine FMEA nicht. In diesem Fall würde man das da über den Prozess lösen (korrekt montieren statt technische Lösung).

    Erstens, das Problem könnte leicht gelöst werden, wenn man nur wollte.

    Zweitens, wenn man das Problem nicht lösen will, sollte man wenigstens in der Bedienungs- oder Montageanleitung einen Hinweis geben.

  • Du hast, Herr Ingenieur, schlicht deine Anforderungsanalyse vergeigt. Es gibt Hotenddesigns, bei denen das so nicht passieren kann. Wenn deine Anforderungen so sind, nimm halt was entsprechendes. So macht man das i.d.R. bei COTS-Teilen.

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